Tim Bowditch
Ausstellungsansicht: Oscar Murillo. Collective Osmosis, DAS MINSK/Museum Barberini
Oscar Murillo: Ausstellung im MINSK, Intervention im Museum Barberini
Bis 9. August 2026 bespielt der in Kolumbien geborene Künstler Oscar Murillo die Innen- und Außenräume des MINSK und macht das Potsdamer Kunsthaus zum Schauplatz eines Experiments über Austausch und Gemeinschaft. Die Ausstellung Kollektive Osmose markiert zudem die erste Zusammenarbeit der beiden Museen der Hasso Plattner Foundation, dem MINSK und dem Museum Barberini: Das großformatiges Gemälde Surge ist als künstlerische Intervention in der der Sammlung des Museums Barberini ausgestellt. Den Ausgangspunkt für Surge bilden Wörter, die Murillo als Schriftzug in Sprühlackfarbe auf die leere Leinwand setzt. Anschließend legt er die Gemälde horizontal auf dem Boden aus und benutzt feste Ölstifte mit verschiedenen Farben, die er Schicht für Schicht aufträgt, bis eine schillernde Masse die Leinwand und die Wörter bedeckt, wie eine Wasserflut. Im MINSK treten drei ikonische Werke aus Monets Serien zum Londoner Parlamentsgebäude, zu den Getreideschobern und zu den Seerosen in Giverny aus der Sammlung Hasso Plattner des Museums Barberini in einen Dialog mit Murillos Werkreihe Frequencies. Im Museum Barberini wird ein neues großes Triptychon mit dem Titel surge (social cataracts) in der Sammlungspräsentation für impressionistische Malerei zu sehen sein.
Mit dem Projekt schafft Murillo einen Dialog zwischen seiner abstrakten Malerei, den Besuchern und den impressionistischen Werken Claude Monets. Ausgangspunkt ist Murillos Beschäftigung mit Leben, Werk und Rezeption des französischen Malers. Monet war in seinen späteren Jahren an „grauem Star“ erkrankt und verlor bis zu einer Operation zunehmend an Augenlicht, was Veränderungen in der Komposition und Farbgebung seiner Gemälde zur Folge hatte. Murillo erkennt in dieser Wahrnehmungsverschiebung des Malers ein Sinnbild für die blinden Flecken in unserer Gesellschaft, zugleich aber auch das Potenzial, neue Realitäten hervorzubringen.
Tim Bowditch
Oscar Murillo (*1986) ist bekannt für eine nomadische Praxis, die Malerei, Arbeiten auf Papier, Skulpturen, Installationen, Aktionen, Live-Events, kollaborative Projekte und Videos umfasst. Seine Werke und Projekte wurden in bedeutenden Institutionen weltweit ausgestellt, darunter der Tate Modern, London, Fundação de Serralves, Porto, WIELS, Brüssel, und Kunsthalle Wien. Murillo war einer von vier Künstlern, die 2019 den Turner Prize erhielten.